„Es genügt, wenn man meine Melodien kennt. Meine Musik sagt ja alles, was ich zu sagen habe.“ Die Biographie eines Gentleman of Music.

Bert Kaempfert wurde 1923 als Berthold Heinrich Kämpfert in Hamburg geboren. Als er 1980 viel zu früh starb, hatte er über 150 Millionen Platten verkauft, Weltstars wie Frank Sinatra und Elvis Presley zu Erfolgen geführt und die Beatles entdeckt, noch bevor sie die Beatles waren. Er hinterließ ein Songbook mit rund 700 Arrangements und 400 Eigenkompositionen. Seine Hits sind scheinbar zeitlos. Noch heute gehören sie zu den meistgecoverten Songs der Musikgeschichte.

Bert Kaempferts Erstkontakt mit der Musik findet 1929 statt und ist ein Unfall. Der „Fips“ gerufene Sechsjährige wird von einer Droschke angefahren. Zu dem Glück, dass ihm dabei nichts passiert ist, kommen 500 Mark Schmerzensgeld. Das ist viel Geld, gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Aber seine Mutter entscheidet, dem Jungen damit ein Klavier zu kaufen. Eine weitreichende Entscheidung.

Schon zehn Jahre später hat Bert sein erstes Engagement im angesehenen Hans-Busch-Orchester. Der frühe Traum von einem Seemannsleben verblasst. Der Jugendliche hat beschlossen, mit den Mitteln der Musik zu reisen.

Seine erste Bigband gründet Bert Kaempfert während der Kriegsgefangenschaft in Dänemark. Auch nach dem Ende des Krieges geht es mit der Band weiter, auf teilweise abenteuerlichen Tourneen durch US-Offiziersclubs in Norddeutschland. Seine Musik findet Fans und Förderer beim alliierten Soldatensender BFN und Bert gründete seines eigenen Orchesters.

Anfang der 50er Jahre arbeitet Bert Kaempfert als Bandleader, Produzent und Talentsucher mit stetig wachsendem Erfolg. Die in Hamburg ansässige Polydor sichert sich deshalb die Talente des musikalischen Allroundtalents. 1959 produziert Kaempfert für den aufstrebenden Star Freddy Quinn einen der ersten Megahits der deutschen Unterhaltungsgeschichte: Die Gitarre und das Meer. Kurz darauf folgt die erste goldene Schallplatte für seine Produktion von Ivo Robics Morgen, die bis heute als einer der gelungensten Titel der deutschen Schlager-Historie gilt.

Als Anfang der 60er ein Titelsong für den neuen Film des in Deutschland stationierten Elvis Presley gesucht wird, machte Bert Kaempfert das Rennen: Mit der von ihm bearbeiteten Volksweise Muß´i denn zum Städtele hinaus gelingt ein Welterfolg. Er trägt Bert Kaempfert bis in die USA. Hier kann er sein inzwischen fertig produziertes Album Wunderland bei Nacht veröffentlichen. Wonderland By Night von Bert Kaempfert and his Orchestra erschütterte den US-Markt in seinen Grundfesten. Schnell setzt sich das Album an die Spitze aller relevanten internationalen Charts. Bert Kaempfert ist jetzt ein Weltstar.

Ein Weltstar ohne Allüren und Egomanien, der sein Talente und sein Können unaufgeregt teilt. In einem Club auf der Hamburger Reeperbahn stößt Kaempfert 1961 auf vier junge Musiker aus Liverpool, die sich Beat Brothers nennen und als Vorgruppe touren. Kaempfert erkennt sofort die Qualität dieses ‚neuen Sounds’ und produzierte mehrere Titel mit Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Pete Best. Die Single My Bony ist die erste offizielle Musikaufnahme der späteren Beatles und ein Stück Musikgeschichte.

Kaempfert komponiert und produziert Hits in einer Regelmäßigkeit, in der andere Tagebuch schreiben. Seine Stücke scheinen die Charts abonniert zu haben. Der Kaempfert-Sound wird zum stehenden Begriff. Dominante Bassfiguren, ein swingender Rhythmus, Bläser und eine akribisch unterlegte, schwebende Mixtur aus Chor und Streichern gewinnen weltweit eine begeisterte Hörerschaft.

1966 beschert Kaempfert dem abgestürzten Weltstar Frank Sinatra mit Strangers in the Night ein nicht für möglich gehaltenes Comeback und einen der berühmtesten Musiktitel überhaupt. Auch Al Martino gelang Dank eines Kaempfert-Songs die Rückkehr an die Spitze: Spanish Eyes gehört noch heute mit über 500 Versionen zu den meist gecoverten Songs der Musikgeschichte.

Erfolge, die kein Einzelfall sind: Nat “King” Cole (L.O.V.E.), Jack Jones (Lady), Dean Martin (I Can’t Help Remembering You), Sammy Davis jr. (Lonely Is The Name) und viele mehr vertrauen Bert Kaempfert und feierten mit seinen Stücken Triumphe.

Die 70er Jahre erleben einen Bert Kaempfert, der rastlos komponiert, produziert und zwischendurch legendäre Live-Konzerte gibt, so z.B. 1974 in der ehrwürdigen Londoner Royal Albert Hall. Zu den Live-Konzerten kommt ein neues Medium: Das Fernsehen. Kaempfert – wer sonst – übernimmt die musikalische Leitung für die ersten großen TV-Shows mit Freddy Quinn. Musikalisch beweist er in dieser Dekade zum wiederholten Mal, wie umfassend sein musikalisches Talent ist, das von keiner bestimmten Musikrichtung abhängt. Der eher schwelgende und romantische Stil der früheren Jahre geht über in einen flotten und markanten Easy-Listening-Sound. Selbst Disco-Hits wie Keep On Dancing und Frisco Disco schreibt und produziert Kaempfert mit sicherer Hand.

Anfang der 80er stirbt Bert Kaempfert unvermutet und viel zu früh an einem Schlaganfall. Der Körper hatte dem Rhythmus seines unermüdlichen Schaffens nicht mehr folgen können. Mit seinen unzähligen Liedern und Melodien hat er ein zeitloses Erbe hinterlassen.

1993 wurde der Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter Bert Kaempfert in Anerkennung seines Lebenswerks in die amerikanische Songwriters Hall Of Fame aufgenommen.

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